Veröffentlicht am März 12, 2024

Die Wahl eines Kindermöbels sollte sich nicht auf das Logo beschränken, sondern auf die dahinterstehende rechtliche Absicherung.

  • Das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“) garantiert eine unabhängige Prüfung und regelmäßige Fertigungskontrollen.
  • Das CE-Zeichen ist lediglich eine Selbsterklärung des Herstellers ohne unabhängige Kontrolle und bietet im Schadensfall weniger Schutz.

Empfehlung: Bevorzugen Sie bei sicherheitsrelevanten Möbeln immer Produkte mit GS-Zeichen. Es ist nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern auch eine rechtliche Absicherung für Ihre Familie durch die Beweislastumkehr.

Der Moment ist vielen Eltern vertraut: Sie stehen im Möbelhaus, vor Ihnen ein Gitterbett, ein Hochstuhl oder ein Wickeltisch. Das Design gefällt, der Preis scheint fair. Doch dann beginnt das Kopfzerbrechen beim Blick auf die Etiketten. Ein Dschungel aus Logos, Siegeln und Zertifikaten. Man sucht instinktiv nach bekannten Zeichen wie „TÜV“ oder „GS“, fühlt sich bei deren Anblick sicherer, aber was bedeuten sie wirklich? Oft beschränkt sich die Entscheidung auf die oberflächliche Annahme, dass ein vorhandenes Siegel schon irgendwie für Sicherheit bürgen wird.

Die üblichen Ratgeber listen dann die verschiedenen Siegel auf, vom Blauen Engel für Umweltfreundlichkeit bis zum CE-Zeichen. Doch diese Herangehensweise greift zu kurz und lässt die entscheidende Frage unbeantwortet. Aber was, wenn der wahre Schlüssel zum Verständnis nicht im Erkennen von Logos liegt, sondern im Verstehen der dahinterstehenden Prozesse und Verantwortlichkeiten? Was, wenn die entscheidende Frage nicht lautet „Welches Siegel ist besser?“, sondern „Welches Siegel schützt meine Familie im Ernstfall rechtlich am besten?“

Dieser Artikel bricht mit der traditionellen Siegel-Kunde. Als Qualitätsmanager für Kindermöbel nehme ich Sie mit hinter die Kulissen der Produktzertifizierung. Wir werden nicht nur Siegel vergleichen, sondern die Logik der Risikobewertung entschlüsseln. Sie werden lernen, warum das GS-Zeichen weit mehr als ein Prüfzertifikat ist – es ist ein juristisches Instrument, das die Beweislast im Schadensfall zu Ihren Gunsten verschiebt. Nach der Lektüre dieses Leitfadens werden Sie Kindermöbel nicht mehr nur als Verbraucher, sondern mit dem geschulten Blick eines Sicherheitsauditors bewerten können.

Um Ihnen eine klare Orientierung in diesem komplexen Thema zu bieten, führt Sie dieser Artikel schrittweise durch die wichtigsten Aspekte der Möbelsicherheit. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir behandeln werden, um Sie zu einem informierten und sicheren Käufer zu machen.

Was prüft der TÜV beim „Geprüfte Sicherheit“ Siegel eigentlich genau (Kippen, Klemmen)?

Wenn ein Kindermöbel das GS-Zeichen trägt, bedeutet das, dass es eine Reihe rigoroser Tests durch eine unabhängige, staatlich anerkannte Prüfstelle wie den TÜV bestanden hat. Diese Prüfungen gehen weit über eine simple Sichtkontrolle hinaus und simulieren den anspruchsvollen Alltag mit Kindern. Im Fokus stehen dabei vor allem mechanische und dynamische Belastungen, die potenzielle Gefahrenquellen aufdecken sollen. Die Prüfer ermitteln dabei Eigenschaften wie Gebrauchstauglichkeit, mechanische Festigkeit und Standfestigkeit.

Ein zentraler Punkt ist die Kippsicherheit. Besonders bei hohen Möbeln wie Regalen oder Schränken wird getestet, ob das Möbelstück umfällt, wenn ein Kind versucht, daran hochzuklettern. Bei Hochstühlen zum Beispiel wird nach der Norm DIN EN 14988 mit standardisierten Prüfgewichten von bis zu 25 kg die Stabilität in alle Richtungen geprüft. Ein weiterer kritischer Bereich sind Klemm- und Quetschstellen. Mit genormten Prüfkörpern, die Kinderfinger in verschiedenen Altersstufen simulieren, werden alle Öffnungen und beweglichen Teile untersucht. Ziel ist es, sicherzustellen, dass sich ein Kind nirgends schmerzhaft einklemmen kann. Zudem werden Dauerhaltbarkeitstests durchgeführt, bei denen zum Beispiel die Belastung durch einen 30.000-fachen Belastungszyklus die mehrjährige Nutzung simuliert und Materialermüdung aufdeckt.

Diese detaillierten Prüfungen geben Eltern eine Sicherheit, die sie durch bloßes Anschauen im Laden niemals erreichen könnten. Dennoch können Sie auch selbst eine erste Einschätzung vornehmen.

Ihre 5-Punkte-Checkliste für den Möbel-Kauf

  1. Am Möbel rütteln: Prüfen Sie die Kippsicherheit durch vorsichtiges Schütteln – besonders bei Regalen und Schränken über 90 cm Höhe. Ein stabiles Möbelstück sollte nicht wackeln.
  2. Kanten abtasten: Fahren Sie mit der Hand über alle erreichbaren Kanten und Ecken. Diese sollten kindgerecht abgerundet oder zumindest sauber abgeschrägt (gefast) sein.
  3. Stabilität prüfen: Setzen Sie sich vorsichtig auf Kinderstühle oder drücken Sie auf Regalböden und Wickelauflagen. Nichts darf bedrohlich nachgeben oder sich durchbiegen.
  4. Schubladen testen: Ziehen Sie Schubladen vollständig heraus. Eine hochwertige Auszugssicherung sollte verhindern, dass die Schublade Ihnen oder Ihrem Kind auf die Füße fällt.
  5. Gitterstäbe messen: Der Abstand zwischen Gitterstäben bei Betten muss laut Norm zwischen 4,5 cm und 6,5 cm liegen. Das verhindert, dass der Kopf des Kindes hindurchrutscht und stecken bleibt.

Warum ist das CE-Zeichen kein Qualitätssiegel, sondern nur eine Hersteller-Erklärung?

Auf fast jedem Produkt innerhalb der EU finden Sie das CE-Zeichen. Viele Eltern interpretieren es fälschlicherweise als ein Sicherheits- oder Qualitätssiegel, ähnlich dem GS-Zeichen. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss. Das CE-Zeichen ist kein Prüfzeichen, sondern eine reine Konformitätserklärung. Mit dem Anbringen dieses Zeichens erklärt der Hersteller lediglich in Eigenverantwortung, dass sein Produkt die grundlegenden gesetzlichen Anforderungen der EU erfüllt. Es findet keine unabhängige Prüfung und keine regelmäßige Kontrolle der Produktion statt.

Im Gegensatz dazu ist das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“) ein freiwilliges Zeichen, das eine Prüfung durch eine unabhängige, staatlich zugelassene Stelle voraussetzt. Der entscheidende Unterschied liegt im Prozess: Während beim CE-Zeichen der Hersteller sich selbst kontrolliert, wird beim GS-Zeichen die Kontrolle von außen durch Experten durchgeführt. Diese prüfen nicht nur ein einzelnes Muster, sondern führen auch eine jährliche Kontrolle der Fertigungsstätte durch, um sicherzustellen, dass die Serienproduktion konstant die gleiche hohe Qualität aufweist.

Vergleich verschiedener Sicherheitssiegel auf Kindermöbeln, die unterschiedliche Sicherheitsniveaus symbolisieren

Die visuellen Unterschiede zwischen den Produkten mögen gering sein, doch die unsichtbaren Prozesse dahinter könnten unterschiedlicher nicht sein. Das GS-Zeichen ist mit erheblichem Aufwand und Kosten für den Hersteller verbunden, was sein Engagement für Sicherheit unterstreicht. Das CE-Zeichen hingegen ist eine gesetzliche Pflicht, deren Einhaltung oft erst bei Stichproben durch die Marktüberwachung oder im Schadensfall überprüft wird. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen.

GS-Zeichen vs. CE-Kennzeichnung – Die wichtigsten Unterschiede
Kriterium GS-Zeichen CE-Kennzeichnung
Prüfung durch Unabhängige, staatlich zugelassene Prüfstelle Hersteller selbst (Selbsterklärung)
Kontrolle Jährliche Fertigungsstättenkontrolle Keine regelmäßige Kontrolle
Gültigkeit Maximum 5 Jahre Unbegrenzt
Kosten Mehrere tausend Euro plus jährliche Gebühren Nur interne Kosten
Rechtsstatus Freiwillig Gesetzlich vorgeschrieben

Warum lassen gute Hersteller ihre Möbel freiwillig härter testen als das Gesetz verlangt?

Auf den ersten Blick mag es unlogisch erscheinen: Warum sollte ein Unternehmen Tausende von Euro für eine freiwillige GS-Zertifizierung ausgeben, wenn die gesetzlich vorgeschriebene CE-Kennzeichnung ausreicht, um ein Produkt auf den Markt zu bringen? Die Antwort liegt in einer strategischen Entscheidung für Qualität und Risikomanagement. Verantwortungsvolle Hersteller betrachten die Investition in höhere Sicherheitsstandards nicht als Kosten, sondern als Investition in das Vertrauen der Kunden und als Absicherung gegen immense finanzielle Risiken.

Das zentrale Stichwort lautet hier Produkthaftungsrisiko. Ein unsicheres Kindermöbel, das einen Unfall verursacht, kann für einen Hersteller existenzbedrohend sein. Es drohen nicht nur teure Rückrufaktionen und Schadensersatzforderungen, sondern auch ein irreparabler Imageschaden. Durch die freiwillige Unterwerfung unter die strengen Kriterien des GS-Siegels signalisiert ein Hersteller, dass er von der Sicherheit seines Produktes überzeugt ist und bereit ist, dies von einer neutralen Instanz bestätigen zu lassen.

Diese proaktive Haltung zur Sicherheit reduziert das Risiko von vornherein. Laut Experten von Prüfinstituten, reduziert die frühzeitige Einbindung von Möbelexperten das Produkthaftungsrisiko erheblich, da potenzielle Schwachstellen bereits in der Entwicklungsphase identifiziert und behoben werden. Ein Hersteller, der diesen Weg geht, zeigt, dass ihm die Sicherheit der Kinder wichtiger ist als kurzfristige Kosteneinsparungen. Er baut eine Marke auf, die für Verlässlichkeit steht, und das ist in einem so sensiblen Markt wie dem für Kinderprodukte ein unschätzbarer Wettbewerbsvorteil. Letztlich ist es ein klares Bekenntnis: „Wir stehen so sehr hinter unserem Produkt, dass wir die härtesten Tests nicht fürchten.“

Wo können Sie prüfen, ob Ihr Kindermöbel aktuell von einem Rückruf betroffen ist (RAPEX)?

Selbst bei größter Sorgfalt kann es vorkommen, dass ein gefährliches Produkt auf den Markt gelangt. Für diesen Fall gibt es europaweite und nationale Warnsysteme, die Verbraucher schützen sollen. Das wichtigste europäische Instrument ist das „Safety Gate“, vielen noch unter dem alten Namen RAPEX (Rapid Exchange of Information System) bekannt. In diesem System melden die nationalen Behörden wöchentlich Produkte (außer Lebensmitteln, Pharmazeutika und medizinischen Geräten), die ein ernstes Risiko darstellen.

Als Eltern können Sie diese Datenbank nutzen, um zu überprüfen, ob ein bestimmtes Möbelstück oder ein Spielzeug zurückgerufen wurde. Die Datenbank ist öffentlich zugänglich und ermöglicht die Suche nach Produktkategorie, Marke oder Herkunftsland. Ein Blick in das „Safety Gate“ vor dem Kauf eines gebrauchten Artikels oder bei Unsicherheit über ein bereits vorhandenes Produkt kann sehr sinnvoll sein. Finden Sie dort ein Möbelstück, das Sie besitzen, sollten Sie die Anweisungen der Behörde genau befolgen und das Produkt nicht weiterverwenden.

Für Deutschland ist eine weitere wichtige Anlaufstelle die Produktdatenbank der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Unter dem Stichwort „Gefährliche Produkte“ veröffentlicht die BAuA Informationen zu Produktrückrufen und Produktwarnungen auf dem deutschen Markt. Diese Datenbank ist oft noch spezifischer und schneller, was den nationalen Markt betrifft. Es ist ratsam, beide Systeme zu kennen und im Zweifelsfall zu konsultieren. Die Webseiten sind die primären, verlässlichen Quellen, um die Sicherheit Ihrer Kindermöbel aktiv zu überwachen.

Wann sind alte Siegel auf eBay-Möbeln verjährt und nicht mehr gültig?

Der Kauf von gebrauchten Kindermöbeln auf Plattformen wie eBay Kleinanzeigen ist eine beliebte und nachhaltige Option. Doch hier ist besondere Vorsicht geboten, gerade im Hinblick auf alte Prüfsiegel. Ein aufgedrucktes GS-Zeichen auf einem zehn Jahre alten Hochstuhl ist kein verlässlicher Indikator für aktuelle Sicherheit. Der entscheidende Punkt ist die Gültigkeit: Ein GS-Zertifikat ist maximal 5 Jahre gültig. Danach erlischt es und muss vom Hersteller neu beantragt werden. Der Grund dafür ist, dass sich technische Normen und Sicherheitsanforderungen ständig weiterentwickeln.

Ein Möbelstück, das vor 10 Jahren dem damaligen Stand der Technik entsprach, würde eine heutige GS-Prüfung möglicherweise nicht mehr bestehen. Es könnten sich beispielsweise die Anforderungen an die Abstände von Gitterstäben oder die chemische Zusammensetzung von Lacken geändert haben. Das aufgedruckte Siegel ist also nur eine Momentaufnahme aus der Vergangenheit und sagt nichts über die Konformität mit heutigen Standards aus. Es ist daher entscheidend, das Produktionsdatum des Möbels zu ermitteln, das oft auf einem Aufkleber auf der Unter- oder Rückseite zu finden ist.

Detailaufnahme der Prüfung gebrauchter Kindermöbel mit Fokus auf die abgenutzte Holzstruktur

Ein weiteres, oft übersehenes Risiko bei gebrauchten Möbeln ist die „Reparatur-Falle“. Ein ursprünglich sicheres Möbelstück kann durch unsachgemäße Reparaturen seine Stabilität verloren haben. Fehlende Originalschrauben, die durch unpassende ersetzt wurden, oder eine Neulackierung mit einem nicht zertifizierten, schadstoffhaltigen Lack können ein ehemals sicheres Produkt in eine Gefahrenquelle verwandeln. Beim Kauf von gebrauchten Möbeln sollten Sie daher nicht nur auf das Siegel, sondern vor allem auf den aktuellen Zustand, die Stabilität und mögliche Veränderungen am Produkt achten.

Crib 5 Test: Welchen Entzündungstest müssen Polstermöbel in öffentlichen Gebäuden bestehen?

Während bei Holzmöbeln die mechanische Sicherheit im Vordergrund steht, kommt bei Polstermöbeln, Matratzen oder textilen Elementen im Kinderzimmer ein weiterer, entscheidender Aspekt hinzu: der Brandschutz. In öffentlichen Einrichtungen wie Kindertagesstätten oder Hotels gelten hierfür besonders strenge Vorschriften. Im britischen Raum ist der sogenannte „Crib 5 Test“ der maßgebliche Standard für die Schwerentflammbarkeit von Polstermöbeln.

Das deutsche Äquivalent und der hierzulande relevante Standard für öffentliche Gebäude ist die Prüfung nach DIN 4102 B1 („schwerentflammbar“). Bei diesem Test wird der Möbelstoff oder das Polstermaterial für 15 Sekunden einer offenen Flamme ausgesetzt. Um die Prüfung zu bestehen, muss das Material nach dem Entfernen der Zündquelle innerhalb von 2 Sekunden von selbst verlöschen und darf dabei nicht weiter als 20 cm nachbrennen. Dieser Test stellt sicher, dass sich ein Brand im Ernstfall nicht rasend schnell über die Möbel ausbreitet und wertvolle Zeit für die Evakuierung bleibt.

Für den privaten Wohnbereich sind diese strengen Tests nicht gesetzlich vorgeschrieben. Dennoch ist es ein erhebliches Qualitätsmerkmal, wenn ein Hersteller diese Materialien freiwillig auch für seine Heimmöbel verwendet. Unternehmen, die in ihren Produktbeschreibungen mit einer B1-Zertifizierung werben, investieren aktiv in ein höheres Sicherheitsniveau. Sie verwenden Premium-Materialien, die in Kitas Pflicht sind, auch für das Kinderzimmer zu Hause. Für Eltern ist dies ein klares Signal, dass der Hersteller das Thema Sicherheit ganzheitlich betrachtet und über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausdenkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das GS-Zeichen steht für eine freiwillige, unabhängige Prüfung und regelmäßige Fertigungskontrollen. Es ist ein echtes Qualitätsversprechen.
  • Das CE-Zeichen ist lediglich eine gesetzlich vorgeschriebene Selbsterklärung des Herstellers und kein verlässliches Sicherheitssiegel.
  • Im Schadensfall bietet das GS-Zeichen einen entscheidenden rechtlichen Vorteil: die Beweislastumkehr zulasten des Herstellers.

GS (Geprüfte Sicherheit) oder CE-Selbsterklärung: Welchem Siegel können Sie im Schadensfall vertrauen?

Dies ist die vielleicht wichtigste Frage für Eltern, denn sie berührt den Kern des Produkthaftungsrechts. Im Ernstfall, wenn trotz aller Vorsicht ein Unfall passiert und Ihr Kind zu Schaden kommt, zeigt sich der wahre Wert eines Prüfsiegels. Hier spielt das GS-Zeichen seinen größten Trumpf aus: die sogenannte Beweislastumkehr. Nach dem deutschen Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) wird bei einem Produkt mit GS-Zeichen vermutet, dass der Hersteller seine Sorgfaltspflichten verletzt hat, wenn ein Unfall aufgrund eines Mangels geschieht, den die Prüfung hätte aufdecken müssen.

Das klingt juristisch, hat aber eine sehr praktische Konsequenz: Nicht Sie als geschädigte Familie müssen mühsam nachweisen, dass das Produkt fehlerhaft war. Stattdessen muss der Hersteller beweisen, dass sein Produkt zum Zeitpunkt des Verkaufs sicher war und er alle Vorschriften eingehalten hat. Dies ist eine enorme Erleichterung für den Verbraucher. Bei einem Produkt, das nur das CE-Zeichen trägt, liegt die Beweislast in der Regel bei Ihnen. Sie müssten nachweisen, dass der Hersteller einen Fehler gemacht hat, was oft nur mit teuren Gutachten möglich ist.

Fallbeispiel: Die Beweislastumkehr im deutschen Produkthaftungsrecht

Eine Familie kauft einen Kinderhochstuhl. Variante A trägt nur das CE-Zeichen, Variante B das GS-Zeichen. Nach einigen Monaten bricht bei beiden Stühlen ein Bein und das Kind verletzt sich. Im Fall von Variante A (nur CE) muss die Familie beweisen, dass der Bruch auf einen Konstruktions- oder Materialfehler zurückzuführen ist. Im Fall von Variante B (GS-geprüft) kommt es zur Beweislastumkehr zugunsten des Verbrauchers. Der Hersteller des GS-geprüften Stuhls steht in der Pflicht nachzuweisen, dass er nicht für den Mangel verantwortlich ist. Die rechtliche Position der Familie ist somit ungleich stärker.

Das GS-Zeichen ist also mehr als nur ein Aufkleber. Es ist eine Art vorverhandelte Rechtsschutzversicherung. Sie kaufen nicht nur ein Produkt, sondern auch die Sicherheit, im Ernstfall einen starken juristischen Hebel in der Hand zu haben. Diese sicherheitsrechtliche Dimension ist der entscheidende Grund, warum die Wahl eines GS-geprüften Produkts immer die klügere Entscheidung ist.

Was bedeutet die „Schnullerketten-Norm“ konkret für das Gitterbett Ihres Kindes?

Neben den großen, sichtbaren Gefahren wie Kippen oder Brechen lauern im Kinderzimmer oft unsichtbare Risiken im Detail. Eines der gravierendsten ist die Strangulationsgefahr durch zu lange Schnüre, Bänder oder Ketten. Um dieses Risiko zu minimieren, wurde die sogenannte „Schnullerketten-Norm“ DIN EN 12586 entwickelt. Sie ist ein perfektes Beispiel dafür, wie spezifische Normen die allgemeine Sicherheit erhöhen.

Die Kernregel dieser Norm ist einfach und leicht zu merken: In Reichweite eines Kindes darf keine Schnur oder Kette länger als 22 cm sein (gemessen ohne Clip). Diese Länge wurde so gewählt, dass die Schnur sich nicht vollständig um den Hals eines Kleinkindes legen und so zu einer tödlichen Falle werden kann. Obwohl die Norm ursprünglich für Schnullerketten konzipiert wurde, hat sich diese 22-cm-Regel als allgemeiner Sicherheitsstandard für das gesamte Kinderzimmer etabliert.

Für das Gitterbett bedeutet das konkret: Achten Sie darauf, dass keine Mobiles mit längeren Bändern direkt über dem Bett hängen. Auch die Kabel von Babyphones, Nachtlichtern oder Spieluhren müssen so verlegt werden, dass das Kind sie nicht greifen und zu sich ins Bett ziehen kann. Gleiches gilt für die Zugschnüre von Rollos oder Jalousien am Fenster, die eine erhebliche Gefahr darstellen und unbedingt gesichert oder außerhalb der Reichweite des Kindes angebracht werden müssen. Die 22-cm-Regel ist ein einfacher, aber extrem wirksamer Grundsatz, den Sie mit einem einfachen Maßband im ganzen Haus umsetzen können.

Ihr Sicherheitscheck mit dem „22cm-Maßband“

  1. Schnüre und Kordeln messen: Gehen Sie durch das Kinderzimmer und messen Sie alle losen Schnüre an Spielzeug, Kleidung und Dekoration. Nichts sollte länger als 22 cm sein.
  2. Rolloschnüre prüfen: Stellen Sie sicher, dass die Schnüre von Rollos und Jalousien mit speziellen Sicherungen (Klemmen, Spanner) versehen oder hochgebunden und unerreichbar für Kinder sind.
  3. Kabel kontrollieren: Verlegen Sie alle Kabel von elektrischen Geräten (Babyphone, Lampe) sicher hinter Möbeln oder in Kabelkanälen, sodass sie nicht ins Bett gezogen werden können.
  4. Mobile-Aufhängungen überprüfen: Auch die einzelnen Stränge eines Mobiles dürfen die kritische Länge nicht überschreiten und müssen sicher befestigt sein.
  5. Gitterstababstände testen: Im Kontext des Bettes ist auch der Gitterstab-Abstand (Norm: 4,5-6,5 cm nach DIN EN 716) entscheidend, um ein Einklemmen des Kopfes zu verhindern.

Die Anwendung spezifischer Normen wie der 22-cm-Regel zeigt, dass Sicherheit oft im Detail liegt. Sich diese einfachen, aber lebenswichtigen Regeln bewusst zu machen, ist ein entscheidender Schritt zu einem rundum sicheren Kinderzimmer.

Häufige Fragen zu gebrauchten Kindermöbeln

Wie lange ist ein GS-Zeichen maximal gültig?

Das GS-Zeichen ist maximal 5 Jahre gültig. Danach muss der Hersteller eine neue Prüfung beantragen, um das Zertifikat zu erneuern, da sich Sicherheitsnormen und der Stand der Technik ständig weiterentwickeln.

Wie finde ich das Produktionsdatum eines Möbelstücks?

Suchen Sie nach Aufklebern oder Prägungen auf der Unter- oder Rückseite des Möbelstücks. Hersteller bringen dort oft eine Modell- oder Seriennummer sowie das Herstellungsdatum an, was Ihnen hilft, das Alter des Produkts einzuschätzen.

Was ist die „Reparatur-Falle“ bei Gebrauchtmöbeln?

Die „Reparatur-Falle“ beschreibt das Risiko, dass ein ursprünglich sicheres Möbelstück durch unsachgemäße Reparaturen seine Sicherheit verliert. Beispiele sind der Ersatz von Originalschrauben durch unpassende Teile oder eine Neulackierung mit nicht zertifizierten, potenziell schadstoffhaltigen Lacken.

Geschrieben von Markus Ebersbach, Schreinermeister und Sachverständiger für Kindermöbelsicherheit mit über 20 Jahren Erfahrung in der Holzverarbeitung. Spezialist für DIN-Normen, schadstofffreie Materialien und die Konstruktionssicherheit von Betten und Schränken.