Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Setzen Sie auf Möbel, die Sicherheit für Senioren und Robustheit für die Jugend vereinen (doppelte Barrierefreiheit).
  • Planen Sie die Raumtransformation strategisch: Leichte, stapelbare Stühle und Rolltische sind entscheidend für einen schnellen Umbau.
  • Optimieren Sie die Akustik gezielt für Hörgeräteträger, um die Sprachverständlichkeit für alle zu verbessern.
  • Nutzen Sie flexible Tischsysteme wie Trapeztische, um mühelos zwischen Großgruppen und kleinen Arbeitsinseln zu wechseln.

Die Herausforderung ist Ihnen als Leiter eines Mehrgenerationenhauses oder Bürgerzentrums bestens bekannt: Der gleiche Raum, der morgens als gemütlicher Treffpunkt für das Seniorenfrühstück dient, muss sich nachmittags in einen dynamischen Jugendclub verwandeln. Oft führt dieser Spagat zu einem unbefriedigenden Kompromiss. Die Möbel sind entweder zu schwer für die Senioren, zu empfindlich für die Jugendlichen oder der ständige Umbau raubt wertvolle Zeit und Energie. Die üblichen Ratschläge erschöpfen sich schnell in Phrasen wie „nutzen Sie flexible Möbel“ oder „achten Sie auf Stauraum“.

Doch diese oberflächlichen Ansätze übersehen den Kern des Problems. Ein wirklich funktionierender Mehrgenerationenraum ist kein Lagerhaus für Kompromissmöbel, sondern ein sorgfältig orchestriertes System. Was wäre, wenn der Schlüssel nicht im Kauf einzelner Möbelstücke liegt, sondern im strategischen Management von drei entscheidenden Säulen: der Transformationsgeschwindigkeit, der doppelten Barrierefreiheit für Jung und Alt und einer gezielten akustischen Planung? Ein Raum, der sich in Minuten anpassen lässt, Sicherheit für alle bietet und Kommunikation fördert, wird vom Problemfall zum Herzstück Ihrer Einrichtung.

Dieser Leitfaden bricht mit den gängigen Platitüden. Stattdessen erhalten Sie einen pragmatischen, auf den deutschen Kontext zugeschnittenen Fahrplan. Wir beleuchten, wie Sie durch intelligente Materialwahl, flexible Tischsysteme und akustische Maßnahmen einen Raum schaffen, der nicht nur funktioniert, sondern das Miteinander der Generationen aktiv fördert und dabei sogar Fördermittel optimal nutzt.

Der folgende Artikel führt Sie durch die entscheidenden Aspekte der Planung und Einrichtung. Entdecken Sie praxisnahe Lösungen, die auf die spezifischen Bedürfnisse von Senioren und Jugendlichen eingehen und Ihnen helfen, einen nachhaltig erfolgreichen Begegnungsort zu schaffen.

Warum müssen Möbel für Senioren und Kinder gleichermaßen intuitiv und sicher sein?

Die größte Hürde bei der Einrichtung eines Mehrgenerationenraums ist die Annahme, man müsse sich zwischen den Bedürfnissen der Nutzergruppen entscheiden. Die Lösung liegt im Konzept der doppelten Barrierefreiheit: Möbel müssen so gestaltet sein, dass sie die Sicherheitsanforderungen von Senioren erfüllen und gleichzeitig der robusten Nutzung durch Kinder und Jugendliche standhalten. Für ältere Menschen bedeutet Sicherheit vor allem Kippfestigkeit, leicht verständliche Mechanismen und gute Greifbarkeit. Für Kinder stehen abgerundete Kanten und schadstofffreie, widerstandsfähige Oberflächen im Vordergrund. Intuitive Bedienbarkeit ist der gemeinsame Nenner, der beiden Gruppen zugutekommt.

Farbcodierte Hebel für Verstellfunktionen oder klar erkennbare Griffe helfen Senioren mit nachlassender Sehkraft oder kognitiven Einschränkungen ebenso wie Kindern, die den Umgang mit den Möbeln spielerisch erlernen. Die Einhaltung technischer Normen ist dabei keine bürokratische Hürde, sondern eine Qualitätsgarantie. So legt beispielsweise die deutsche Norm DIN 18040-2 für barrierefreies Bauen Toleranzen von maximal 4 Millimetern für Fertigmaße fest, um gefährliche Spalten und Kanten von vornherein auszuschließen. Ein durchdachtes Sicherheitskonzept berücksichtigt folgende Aspekte:

  • Greifhöhe: Bedienelemente und wichtige Ablagen sollten sich in einer Höhe zwischen 85 cm und 105 cm befinden, die für die meisten Erwachsenen und älteren Kinder bequem erreichbar ist.
  • Standsicherheit: Eine breite Standfläche und ein niedriger Schwerpunkt sind entscheidend, um ein Kippen zu verhindern, wenn sich ein Senior abstützt oder ein Kind am Möbelstück hochzieht.
  • Intuitive Bedienung: Mechanismen sollten selbsterklärend sein. Ein grüner Hebel zum Entriegeln ist universell verständlicher als eine versteckte Schraube.
  • Materialität: Abgerundete Kanten und Ecken minimieren das Verletzungsrisiko bei Stößen. Stoßdämpfende Materialien an Kanten können zusätzliche Sicherheit bieten.
  • Visuelle Unterstützung: Eine kontrastreiche Gestaltung von Bedienelementen oder Tischkanten hilft Menschen mit Sehschwäche, sich besser zu orientieren.

Indem Sie Sicherheit und Intuition als oberste Priorität setzen, schaffen Sie eine Umgebung, in der sich alle Nutzergruppen selbstständig und ohne Angst bewegen können. Dies fördert die Autonomie und das Wohlbefinden aller Generationen.

Reihenbestuhlung oder Stuhlkreis: Welche Stühle lassen sich von Senioren leicht bewegen und stapeln?

Die Flexibilität eines Mehrgenerationenraums steht und fällt mit der Wahl der Bestuhlung. Die Fähigkeit, schnell zwischen einer Reihenbestuhlung für einen Vortrag, einem großen Stuhlkreis für eine Gesprächsrunde oder einer komplett freien Fläche für den Bewegungskreis zu wechseln, ist entscheidend. Hier spielt das Gewicht die Hauptrolle. Für Senioren ist das selbstständige Umstellen von Stühlen ein wichtiger Aspekt der Autonomie. Stühle mit einem Gewicht von unter 5 kg sind hier ideal. Moderne Aluminium-Stapelstühle sind oft die beste Wahl, da sie Leichtigkeit mit hoher Stabilität verbinden.

Achten Sie zudem auf ergonomische Griffmulden in der Rückenlehne. Diese erleichtern nicht nur das Tragen, sondern dienen auch als sichere Stütze beim Hinsetzen und Aufstehen. Die Stapelbarkeit ist ein weiterer Schlüsselfaktor für die Transformationsgeschwindigkeit. Hoch stapelbare Stühle (bis zu 15 Stück) auf einem passenden Transportwagen können von einer Person in wenigen Minuten verräumt werden. Das Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus fördert solche Anschaffungen gezielt, da sie die multifunktionale Nutzung direkt unterstützen. Viele der rund 530 geförderten Häuser in Deutschland setzen erfolgreich auf leichte Stapelstühle aus Aluminium, um ihren Alltag flexibel zu gestalten.

Leichte Stapelstühle in verschiedenen Anordnungen für flexible Raumnutzung

Die folgende Übersicht vergleicht gängige Stuhltypen für den Einsatz in Mehrgenerationenräumen und hilft Ihnen bei der Auswahl. Wie eine Analyse verschiedener Konzepte zeigt, ist die Kombination aus geringem Gewicht und hoher Stapelbarkeit oft der entscheidende Faktor.

Vergleich von Stuhltypen für die intergenerative Nutzung
Stuhltyp Gewicht Stapelbarkeit Senioreneignung Jugendtauglichkeit
Aluminium-Stapelstuhl 3,5-4,5 kg Bis 15 Stück Sehr gut (leicht) Gut (robust)
Polypropylen-Schalenstuhl 4-5 kg Bis 10 Stück Gut Sehr gut
Holz-Klappstuhl 5-7 kg Platzsparend Mittel Gut

Die Investition in leichte, gut handhabbare Stühle ist keine reine Komfortfrage. Sie ist eine strategische Entscheidung, die es Ihren Nutzern ermöglicht, den Raum selbstbestimmt zu gestalten und Ihnen als Management den täglichen Betrieb erheblich erleichtert.

Welche Materialien widerstehen unsachgemäßer Behandlung im offenen Jugendbetrieb?

Während bei der Nutzung durch Senioren Aspekte wie Haptik und leichte Reinigung im Vordergrund stehen, müssen die Materialien im Jugendbetrieb vor allem eines sein: extrem widerstandsfähig. Hier kommt das Konzept der Material-Intelligenz ins Spiel. Es geht nicht nur um Robustheit, sondern um die Wahl von Oberflächen und Werkstoffen, die Kratzern, Stößen und Verschmutzungen trotzen, leicht zu reparieren sind und gleichzeitig gesetzliche Vorgaben erfüllen. Tischplatten, Stuhlschalen und Schrankfronten sind besonders exponiert. Hier haben sich HPL-Platten (High Pressure Laminate) als Standard bewährt. Sie sind nicht nur kratz- und stoßfest, sondern auch in unzähligen Farben und Dekoren erhältlich, was eine ansprechende Gestaltung ermöglicht.

Bei den Gestellen von Tischen und Stühlen ist pulverbeschichteter Stahl eine ausgezeichnete Wahl, da er korrosionsbeständig und unempfindlich gegenüber Schlägen ist. Für Polstermöbel oder gepolsterte Stühle ist der Martindale-Test ein entscheidendes Kriterium. Ein Stoff sollte eine Scheuerfestigkeit von mindestens 100.000 Touren aufweisen, um im öffentlichen Raum langfristig zu bestehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Brandschutz. Laut deutschen Brandschutznormen wie der DIN 4102-B1 müssen Materialien in öffentlichen Versammlungsräumen als „schwer entflammbar“ klassifiziert sein. Dies ist bei der Auswahl von Stoffen, Vorhängen und sogar einigen Wandverkleidungen zwingend zu berücksichtigen.

Ihre Checkliste für robuste Materialien

  1. Oberflächen prüfen: Setzen Sie auf HPL-Platten (High Pressure Laminate) für Tische und Schränke. Sie sind extrem kratz- und stoßfest.
  2. Gestelle bewerten: Wählen Sie pulverbeschichteten Stahl für Möbelgestelle. Er ist widerstandsfähig gegen Rost und mechanische Beanspruchung.
  3. Stoffqualität kontrollieren: Achten Sie bei Polstern auf eine Scheuerfestigkeit von mindestens 100.000 Touren nach dem Martindale-Test.
  4. Modularität bevorzugen: Entscheiden Sie sich für modulare Systeme, bei denen beschädigte Einzelteile (z.B. eine Tischplatte) einfach ausgetauscht werden können, ohne das ganze Möbelstück zu ersetzen.
  5. Nachhaltigkeit und Hygiene einplanen: Berücksichtigen Sie FSC/PEFC-zertifizierte Hölzer und erwägen Sie Oberflächen mit antibakterieller Beschichtung für eine einfache und hygienische Reinigung.

Die intelligente Auswahl von Materialien ist eine Investition in die Langlebigkeit und Sicherheit Ihres Raumes. Sie reduziert langfristig die Instandhaltungskosten und sorgt dafür, dass der Raum auch nach Jahren intensiver Nutzung noch ansprechend und funktional ist.

Der Hallen-Effekt: Wie verbessern Sie die Sprachverständlichkeit für Hörgeräteträger in großen Sälen?

Ein häufig unterschätztes Problem in großen, multifunktionalen Räumen ist die Akustik. Hohe Decken und harte Oberflächen (Glas, Beton, Parkett) führen zu einem starken Nachhall, dem sogenannten „Hallen-Effekt“. Während dies für spielende Kinder oder laute Musikgruppen weniger störend sein mag, wird es für Senioren, insbesondere für Träger von Hörgeräten, zu einer massiven Barriere. Hörgeräte verstärken nicht nur die Sprache, sondern auch alle Umgebungsgeräusche und den Hall. Die Folge: Ein Gespräch wird zu einem anstrengenden, unverständlichen Klangbrei. Das Ziel muss daher die akustische Klarheit sein, also eine Reduzierung der Nachhallzeit.

Maßnahmen zur Akustikverbesserung sind oft einfacher und kostengünstiger umzusetzen als gedacht und werden im Rahmen des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus gefördert. Eine Fallstudie in den 530 geförderten Häusern hat gezeigt, dass durch die Installation von schallabsorbierenden Elementen die Nachhallzeit von durchschnittlich 1,8 auf unter 0,6 Sekunden gesenkt werden konnte, was die Sprachverständlichkeit dramatisch verbessert. Die Norm DIN 18041 gibt hierzu klare Empfehlungen für Räume, in denen Kommunikation im Vordergrund steht.

Großer Saal mit sichtbaren Akustikpaneelen an Decke und Wänden

Die Lösungen reichen von abgehängten Akustikdecken über Wandpaneele bis hin zu flexiblen Elementen wie Akustikvorhängen oder mobilen Trennwänden, die den Raum gleichzeitig strukturieren können. Für Hörgeräteträger ist die Installation einer Induktionsschleife (oder Ringschleife) die optimale Lösung. Sie überträgt das Audiosignal einer Mikrofonanlage direkt auf das Hörgerät, wodurch alle Störgeräusche eliminiert werden.

Akustiklösungen zur Reduzierung des Nachhalls
Lösung Nachhallzeit-Reduktion Kosten/m² Eignung Senioren Eignung Jugend
Akustikdecke 60-70% 50-80€ Sehr gut Gut
Wandpaneele 40-50% 40-60€ Gut Sehr gut
Mobile Trennwände 30-40% 200-400€/Stück Gut Sehr gut
Induktionsschleife 2000-5000€/Raum Optimal für Hörgeräte Neutral

Eine gute Akustik ist unsichtbar, aber ihre Wirkung ist unmittelbar spürbar. Sie ist der Schlüssel zur sozialen Teilhabe und macht den Unterschied zwischen einem lauten, ungemütlichen Saal und einem einladenden Ort der Begegnung.

Wie planen Sie abschließbaren Stauraum für verschiedene Nutzergruppen im selben Raum?

In einem Raum, der von so unterschiedlichen Gruppen wie einer Seniorentanzgruppe und einem Jugend-Gaming-Club genutzt wird, ist die Frage nach dem Stauraum heikel. Jede Gruppe benötigt ihr eigenes Material – vom Bastelbedarf über Laptops bis hin zu Gesellschaftsspielen – das sicher und getrennt voneinander aufbewahrt werden muss. Klassische, offene Regale sind hier ungeeignet. Die Lösung liegt in modularen und abschließbaren Aufbewahrungssystemen, die sich flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anpassen lassen. Doch der traditionelle Schlüsselbund für jede Gruppe ist längst überholt und unpraktisch.

Moderne Schließsysteme bieten hier weitaus intelligentere Lösungen. Anstatt physischer Schlüssel können RFID-Chips, NFC-Tags oder wechselbare Zahlencodes verwendet werden. Dies ermöglicht es Ihnen als Verwalter, Zugriffsrechte dynamisch zu vergeben und zu entziehen, ohne Schlösser austauschen zu müssen. Gruppenleiter können beispielsweise per App einen temporären Zugangscode für ihre Gruppe erhalten. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit, sondern vereinfacht die Verwaltung erheblich. Die Anschaffung solcher Systeme kann ebenfalls gefördert werden; das deutsche Förderprogramm für Mehrgenerationenhäuser unterstützt mit bis zu 54.000 € jährlich, was auch die Ausstattung mit intelligentem Mobiliar abdeckt.

Stauraum muss nicht immer ein großer, unbeweglicher Schrank an der Wand sein. Intelligente Möbel integrieren den Stauraum direkt und sparen so wertvolle Fläche:

  • Mobile Materialwagen: Abschließbare Rollcontainer, die unter Tischen verstaut werden können, bieten flexiblen Stauraum, der bei Bedarf einfach hervorgeholt wird.
  • Sitzbänke mit Truhenfunktion: Sitzbänke entlang der Wände können mit abschließbaren Fächern ausgestattet werden und dienen gleichzeitig als gemütliche Sitzgelegenheit.
  • Raumteiler als Schränke: Hohe, beidseitig nutzbare Schrankelemente können nicht nur Material aufnehmen, sondern den Raum auch in verschiedene Zonen unterteilen.

Durchdachter Stauraum ist mehr als nur Aufbewahrung. Er ist ein aktives Instrument zur Organisation des Miteinanders, das Konflikte um Material und Platz vermeidet und einen reibungslosen Wechsel zwischen den verschiedenen Aktivitäten ermöglicht.

Stapelstühle oder Klapptische: Was schafft in 5 Minuten Platz für den Bewegungskreis?

Die wahre Qualität eines multifunktionalen Raumes zeigt sich in der Transformationsgeschwindigkeit. Die Frage ist nicht nur, *ob* sich der Raum umgestalten lässt, sondern *wie schnell* und *mit wie wenig Aufwand*. Das Ziel muss sein, dass der Umbau von einer Tischanordnung für 20 Personen zu einer freien Fläche für Gymnastik oder Tanz in unter fünf Minuten von ein bis zwei Personen erledigt werden kann. Hier sind leichte Klapptische auf Rollen oft den klassischen Stapelstühlen in Kombination mit schweren Tischen überlegen. Moderne Klapptische wiegen oft nur um die 8 kg und können von einer Person mühelos bewegt und verstaut werden.

Ein entscheidender Faktor für die Akzeptanz und den Erfolg ist es, die Nutzer – insbesondere die Jugendlichen – in den Umbauprozess einzubeziehen. Ein sogenanntes „Ownership-Konzept“, bei dem die Jugendgruppe die Verantwortung für den Auf- und Abbau ihrer eigenen Konfiguration übernimmt, fördert nicht nur das Verantwortungsbewusstsein, sondern beschleunigt auch den Prozess erheblich. Die Transformation kann zudem durch technische Hilfsmittel unterstützt werden. Voreingestellte Lichtszenen können die Atmosphäre des Raumes per Knopfdruck verändern: warmweißes, gedimmtes Licht (ca. 2700 Kelvin) für die gemütliche Kaffeerunde der Senioren und neutralweißes, helles Licht (ca. 4000 Kelvin) für konzentrierte Bastel- oder Lernaktivitäten der Jugendlichen.

Praxisbeispiel: Die 5-Minuten-Transformation im Anna Haag Mehrgenerationenhaus

Das Anna Haag Mehrgenerationenhaus in Stuttgart hat die Raumtransformation perfektioniert. Durch den Einsatz leichter Klapptische auf Rollen (je 8 kg) und ein klares „Ownership-Konzept“ wird der Mehrzweckraum von der Jugendgruppe in nur 3 Minuten von einer Lernlandschaft in einen offenen Bewegungsraum umgewandelt. Gesteuert wird die Atmosphäre zusätzlich über LED-Lichtszenen, die per Knopfdruck von gemütlichem Warmweiß auf aktivierendes Neutralweiß umschalten. Dieses effiziente System ist Teil ihres Hospitationsprogramms und ein Paradebeispiel für gelingende Multifunktionalität.

Die Kombination aus leichten, mobilen Möbeln, klaren Verantwortlichkeiten und unterstützender Technik macht den schnellen Wechsel zwischen den Nutzungen vom lästigen Pflichtprogramm zu einem reibungslosen und selbstverständlichen Teil des Alltags.

Wie helfen verstellbare Möbel, Kinder mit körperlichen Einschränkungen in Regelklassen zu integrieren?

Inklusion bedeutet, jedem die Teilhabe zu ermöglichen. In einem Mehrgenerationenkontext gilt dies nicht nur für Senioren im Rollstuhl, sondern auch für Kinder mit körperlichen Einschränkungen. Verstellbare Möbel sind hier ein mächtiges Werkzeug, um Barrieren abzubauen. Elektrisch höhenverstellbare Tische sind dabei der Goldstandard. Sie erlauben eine stufenlose Anpassung an jede Körpergröße und ermöglichen es einem Kind im Rollstuhl, auf Augenhöhe mit sitzenden oder stehenden Kindern zu arbeiten. Wie eine Analyse im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes zeigt, decken moderne höhenverstellbare Arbeitsplätze mit einem Verstellbereich von 65 bis 125 cm die Bedürfnisse von rund 95% aller Körpergrößen ab – vom kleinen Grundschulkind bis zum großen Erwachsenen.

Doch Inklusion geht über die reine Höhenverstellbarkeit hinaus. Neigbare Tischplatten (verstellbar von 0 bis 30 Grad) sind eine enorme Hilfe für Kinder mit Seheinschränkungen, da sie den optimalen Leseabstand und -winkel ermöglichen. Gleichzeitig profitieren auch Senioren mit Nackenproblemen von dieser Funktion, da sie eine aufrechtere und entspanntere Haltung fördert. Hier zeigt sich erneut das Prinzip der doppelten Barrierefreiheit: Eine Funktion, die für eine spezielle Gruppe entwickelt wurde, bietet einen universellen Nutzen für alle.

Ein führender Anbieter wie HEWI setzt mit seinem System 900 in deutschen Mehrgenerationenhäusern genau auf diesen Ansatz. Dort werden nicht nur verstellbare Möbel eingesetzt, sondern auch unterstützende Elemente wie Stützklappgriffe in kontraststarken Farben (z. B. Tiefmatt-Weiß auf dunkelgrauem Untergrund) installiert. Diese starken Kontraste dienen der Orientierung für Menschen mit nachlassender Sehkraft, unabhängig vom Alter. Solche durchdachten Details machen den Unterschied zwischen einem Raum, der Inklusion nur zulässt, und einem, der sie aktiv fördert.

Verstellbare und anpassungsfähige Möbel sind somit keine Sonderausstattung, sondern ein grundlegender Baustein für einen Raum, der seinem Anspruch, ein Ort für alle zu sein, wirklich gerecht wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Systemdenken statt Einzellösungen: Betrachten Sie Möbel, Akustik und Stauraum als ein zusammenhängendes System, das auf schnelle Transformation und Sicherheit für alle ausgelegt ist.
  • Doppelte Barrierefreiheit als Leitprinzip: Wählen Sie Möbel und Materialien, die den Bedürfnissen von Senioren (Sicherheit, Ergonomie) und Jugendlichen (Robustheit, Flexibilität) gleichermaßen gerecht werden.
  • Transformationsgeschwindigkeit maximieren: Priorisieren Sie leichte, mobile und intuitiv bedienbare Möbel, um den täglichen Umbauaufwand zu minimieren und die Selbstständigkeit der Nutzer zu fördern.

Warum revolutioniert der Trapeztisch die Gruppenbildung im Klassenzimmer?

Nachdem wir die Bedeutung von Sicherheit, Materialität und Akustik beleuchtet haben, kommt nun das Element ins Spiel, das all diese Aspekte zu einem flexiblen Ganzen verbindet: das Tischsystem. Während klassische rechteckige Tische oft starr und unkommunikativ sind, revolutioniert der Trapeztisch die Möglichkeiten der Gruppenbildung. Seine asymmetrische Form ist der Schlüssel zu unzähligen Konfigurationen, die sich mühelos an jede Aktivität und Gruppengröße anpassen lassen. Er ist das ultimative Werkzeug, um flexible Nutzungszonen dynamisch zu schaffen und wieder aufzulösen.

Die Vielseitigkeit ist verblüffend. Mit wenigen Handgriffen lassen sich die Tische zu immer neuen Formationen zusammenstellen, die unterschiedliche soziale Interaktionen fördern. Diese Flexibilität ist nicht nur im pädagogischen Kontext für Jugendliche wertvoll, sondern auch für die vielfältigen Aktivitäten von Seniorengruppen.

  • Große Tafel (Sechseck/Achteck): Sechs oder acht Trapeztische bilden einen großen, kommunikativen Kreis, ideal für die Kaffeetafel der Senioren oder ein gemeinsames Essen.
  • Halbkreise für Gesprächsgruppen: Vier Tische lassen sich zu zwei Halbkreisen formieren, perfekt für Diskussionsrunden oder kleinere Vorträge.
  • Arbeitsinseln für Kleingruppen: Drei oder vier Tische bilden eine kompakte Insel für die Projektarbeit der Jugendlichen oder eine Spielrunde.
  • Wellenform für Präsentationen: Aneinandergereiht ergeben die Tische eine dynamische Linie, die sich als Buffet- oder Präsentationsfläche eignet.
  • Einzelarbeitsplätze: Bei Bedarf kann jeder Tisch auch als individueller Arbeitsplatz genutzt werden.

Praxisbeispiel: Lernlandschaften im Lessing-Gymnasium Düsseldorf

Das Lessing-Gymnasium in Düsseldorf setzt seit 2024 im Rahmen seines Mehrgenerationenkonzepts auf Trapeztische in seinem Mehrzweckraum. Morgens bilden 12 Tische eine große, offene Kommunikationsfläche für bis zu 60 Personen beim Generationenfrühstück mit einer lokalen Seniorengruppe. Am Nachmittag werden dieselben Tische von den Schülern in nur zwei Minuten zu vier separaten Arbeitsinseln umgebaut, die als flexible Lernlandschaften für kooperatives Arbeiten dienen. Diese extreme Anpassungsfähigkeit unterstützt das pädagogische Konzept der Schule und macht den Raum zum lebendigen Zentrum des Austauschs.

Der Trapeztisch ist somit mehr als nur ein Möbelstück. Er ist ein pädagogisches und soziales Instrument, das es Ihnen ermöglicht, auf die Bedürfnisse jeder Gruppe situativ einzugehen und die Interaktion im Raum aktiv zu gestalten.

Beginnen Sie jetzt damit, Ihren Raum nicht nur als Fläche, sondern als strategisches Werkzeug zu betrachten, um das Miteinander in Ihrem Haus aktiv zu gestalten. Die Investition in ein durchdachtes, flexibles und sicheres Konzept ist eine Investition in eine lebendige und funktionierende Gemeinschaft.

Geschrieben von Thomas Dr. Richter, Architekt für Bildungsbauten und Fachplaner für vorbeugenden Brandschutz in öffentlichen Einrichtungen. Spezialist für Schulmöbelnormen, Akustik und Klassenzimmergestaltung.