Veröffentlicht am April 12, 2024

Die Handschrift vieler Kinder verschlechtert sich, weil die grundlegende Arm- und Schultermotorik fehlt; das senkrechte Malen wirkt dem gezielt entgegen.

  • Es verlagert die Bewegung von der feinen Steuerung im Handgelenk zur groben, kraftvollen Bewegung aus Schulter und Ellenbogen.
  • Es trainiert durch das Wischen und Malen über die Körpermitte die Rumpfstabilität – eine entscheidende Vorläuferfähigkeit für eine entspannte Schreibhaltung.

Empfehlung: Integrieren Sie eine senkrechte Malfläche in den Alltag Ihres Kindes. Die korrekte ergonomische Höhe ist dabei entscheidender als das gewählte Material (Kreide oder Stift).

Wenn Sie Ihr Kind im Vorschulalter beobachten, sehen Sie es wahrscheinlich oft konzentriert über einem Blatt Papier kauern, den Stift fest in der kleinen Faust. Viele Eltern sorgen sich um die Feinmotorik und fragen sich, ob ihr Kind „richtig“ für die Schule vorbereitet ist. Diese Sorge ist berechtigt. Eine Umfrage des Schreibmotorik-Instituts ergab bereits 2015, dass 87 % der Lehrkräfte eine Verschlechterung der Schreibmotorik bei Schulanfängern feststellten – eine Tendenz, die sich seither verstärkt hat. Die übliche Reaktion darauf ist, noch mehr Übungsblätter zum Ausmalen und Nachspuren anzubieten. Doch was, wenn der Schlüssel gar nicht in der Hand, sondern in der Schulter liegt?

Als Ergotherapeut mit Spezialisierung auf Grafomotorik sehe ich täglich, wie wichtig die sogenannten Vorläuferfähigkeiten sind. Und eine der wirkungsvollsten und gleichzeitig einfachsten Übungen findet nicht am Tisch statt, sondern an einer senkrechten Fläche: der klassischen Tafel. Viele denken dabei an Kreidestaub und bunte Bilder. In Wahrheit ist das Malen an einer Wandtafel jedoch ein fundamentales Training für den gesamten Oberkörper. Es fördert nicht nur die Kreativität, sondern legt gezielt das neuromuskuläre Fundament für eine lockere, ausdauernde und leserliche Handschrift. Es geht darum, die Bewegung groß anzulegen, den Schultergürtel zu aktivieren und die Rumpfstabilität zu schulen, bevor die Finger die filigrane Arbeit des Schreibens übernehmen können.

In diesem Artikel werde ich Ihnen aus ergotherapeutischer Sicht erklären, warum eine simple Tafel im Kinderzimmer mehr für die Schreibentwicklung tut als die meisten Übungshefte. Wir werden uns ansehen, welche Materialien wirklich sinnvoll sind, wie die Tafel hängen muss, um ihren vollen Effekt zu entfalten, und welche spielerischen Aktivitäten weit über das reine Malen hinausgehen, um Ihr Kind optimal auf die Schule vorzubereiten.

Staubige Kreide oder flüssige Marker: Was ist gesünder für die Atemwege im Kinderzimmer?

Die erste Frage, die sich Eltern stellen, betrifft oft das Material. Die klassische Vorstellung von einer Tafel ist untrennbar mit dem Gefühl von Kreide zwischen den Fingern und dem charakteristischen Staub verbunden. Doch ist das im Kinderzimmer noch zeitgemäß? Aus ergotherapeutischer Sicht ist die Wahl des Schreibgeräts keine reine Geschmacksfrage. Sie beeinflusst sowohl die Gesundheit als auch die propriozeptive Rückmeldung – also das, was das Kind über den Widerstand und die Beschaffenheit des Materials spürt.

Traditionelle Kreide bietet eine hervorragende haptische Rückmeldung. Der Widerstand auf der rauen Tafeloberfläche gibt dem Gehirn klare Signale über Druck und Bewegung, was für das motorische Lernen essenziell ist. Der Nachteil ist die hohe Feinstaubbelastung, die besonders für Kinder mit Allergien oder Atemwegsempfindlichkeiten problematisch sein kann. Flüssigmarker hingegen sind staubfrei und daher für Allergiker ideal. Sie gleiten jedoch sehr leicht über die Oberfläche, was die sensorische Rückmeldung reduziert. Eine gute Alternative ist staubfreie Kreide, die die Vorteile der Haptik mit einer geringeren Staubentwicklung kombiniert. Der folgende Vergleich hilft bei der Entscheidung.

Vergleich: Kreide vs. Marker für das Kinderzimmer
Kriterium Traditionelle Kreide Staubfreie Kreide Flüssigmarker
Feinstaubbelastung Hoch Niedrig Keine
Allergiker-Eignung Nicht empfohlen Bedingt geeignet Gut geeignet
Haptische Rückmeldung Sehr gut Gut Mittel
Reinigung Aufwändig Mittel Einfach
Preis pro Jahr ca. 10-15€ ca. 20-30€ ca. 25-40€

Letztendlich ist die beste Lösung oft eine Kombination. Beginnen Sie mit staubfreier Kreide, um ein gutes Gefühl für Druck und Führung zu entwickeln. Ergänzen Sie später Flüssigmarker für farbenfrohe, staubfreie Kreativität. Entscheidend ist die Vielfalt, denn jedes Material trainiert die Hand auf eine leicht andere Weise und bereitet sie auf die unterschiedlichen Anforderungen von Buntstiften, Füllern und Filzstiften in der Schule vor.

Auf welcher Höhe muss die Tafel hängen, damit das Kind aus der Schulter heraus malen kann?

Dies ist die vielleicht wichtigste Frage und der Punkt, an dem die meisten Fehler gemacht werden. Hängt die Tafel zu tief, beugt sich das Kind darüber und malt wieder aus dem Handgelenk – der ganze Vorteil der senkrechten Fläche geht verloren. Hängt sie zu hoch, muss das Kind die Schultern unnatürlich anheben, was zu Verspannungen führt. Das Ziel ist es, eine Haltung zu provozieren, bei der die Bewegung großflächig und locker aus dem Schultergelenk und dem Ellenbogen kommt. Das Handgelenk bleibt dabei stabilisiert und gestreckt (in sogenannter Handgelenksextension), was die präzise Ansteuerung der Fingermuskeln überhaupt erst ermöglicht.

Die ideale Höhe orientiert sich direkt am Körper des Kindes. Der zentrale Arbeitsbereich sollte sich ungefähr auf Höhe zwischen Schulter und Ellenbogen befinden. Dies erlaubt dem Arm, in einem natürlichen Bogen zu schwingen und die gesamte Tafeloberfläche zu nutzen, ohne dass der Körper in eine ungünstige Ausweichhaltung gezwungen wird. Die visuelle Darstellung zeigt, wie die Anatomie des Kindes die Positionierung bestimmt.

Seitenansicht eines Kindes vor einer höhenverstellbaren Tafel mit Markierungen für Schulter- und Ellenbogenhöhe zur ergonomischen Ausrichtung.

Die korrekte Ausrichtung ist eine einmalige, aber entscheidende Einstellung. Da Kinder schnell wachsen, sind höhenverstellbare Tafelsysteme ideal. Alternativ kann eine große Tafelfläche (z.B. durch Tafelfarbe) von vornherein so angelegt werden, dass sie über einen längeren Zeitraum mitwächst. Nutzen Sie die folgende Anleitung, um die perfekte Höhe für Ihr Kind zu finden.

Ihre 5-Schritte-Anleitung: Die Tafel ergonomisch korrekt aufhängen

  1. Standposition einnehmen: Lassen Sie Ihr Kind barfuß und mit geradem Rücken vor der Wand stehen.
  2. Schulterhöhe markieren: Markieren Sie mit einem Bleistift die Höhe der Schulter Ihres Kindes direkt an der Wand.
  3. Ellenbogenhöhe markieren: Markieren Sie nun bei locker hängendem Arm die Höhe des Ellenbogens.
  4. Mittelpunkt finden: Der Mittelpunkt der Tafel sollte genau zwischen diesen beiden Markierungen liegen. Dies ist der optimale Aktionsradius.
  5. Leichte Neigung prüfen: Falls möglich, sollte die Tafel eine leichte Neigung nach vorne von 5-10 Grad haben. Dies bringt das Handgelenk in eine noch günstigere Position.

Klebe-Folie auf der Wand oder massives Holzbrett: Was hält länger und schreibt sich besser?

Neben der Höhe und dem Schreibgerät spielt auch die Oberfläche selbst eine wesentliche Rolle. Der Markt bietet eine Vielzahl von Lösungen, von selbstklebenden Tafelfolien über Tafellack bis hin zu massiven Holztafeln. Jede Option hat spezifische Vor- und Nachteile in Bezug auf Langlebigkeit, Schreibgefühl und die bereits erwähnte propriozeptive Rückmeldung. Eine glatte, nachgiebige Folie fühlt sich völlig anders an als eine harte, leicht raue Holzoberfläche. Diese sensorischen Eindrücke sind eine wichtige Informationsquelle für das motorische System des Kindes.

Tafel-Klebefolien sind eine schnelle und günstige Lösung. Sie können auf fast jeder glatten Oberfläche angebracht werden. Ihr Nachteil ist die geringere Langlebigkeit; sie können bei intensiver Nutzung zerkratzen oder sich an den Rändern lösen. Das Schreibgefühl ist oft sehr glatt, was die haptische Rückmeldung bei der Verwendung von Kreide reduziert. Tafellack, direkt auf eine Wand oder ein Möbelstück aufgetragen, schafft eine robustere und dauerhaftere Oberfläche. Hier kann die Qualität des Untergrunds (z.B. eine glatte Holzplatte) das Schreibgefühl positiv beeinflussen. Massive Holz- oder Schiefertafeln sind die hochwertigste, aber auch teuerste Variante. Sie bieten das beste haptische Feedback, einen natürlichen Widerstand beim Schreiben und sind extrem langlebig. Dieser Widerstand ist es, der die Muskeln in Hand und Arm gezielt trainiert. Wie eine Grundschullehrkraft treffend bemerkt, ist die Haltung alles:

Schreiben mit der Hand hat viel mit der gesamten Körperhaltung und -spannung zu tun, nicht nur mit der Hand.

– Grundschullehrkraft aus Nordrhein-Westfalen, Friedrich-Verlag Studie zur Handmotorik

Diese Aussage unterstreicht, warum die Beschaffenheit der Schreibunterlage so wichtig ist. Eine gute Tafel fordert den Körper heraus und fördert eine aktive, stabile Haltung. Die Wahl des Materials sollte sich daher nicht nur am Preis, sondern vor allem am gewünschten Trainingseffekt orientieren. Für den Anfang ist eine mit hochwertigem Tafellack gestrichene MDF-Platte ein exzellenter Kompromiss aus Kosten und Nutzen.

Warum trainiert das Wischen der Tafel die Rumpfstabilität (Crossing Midline)?

Einer der am meisten unterschätzten, aber ergotherapeutisch wertvollsten Aspekte der Tafelarbeit ist nicht das Malen selbst, sondern das Aufräumen danach: das Wischen. Wenn ein Kind mit einem großen Schwamm oder Tuch eine breite Tafel säubert, führt es unwillkürlich eine Bewegung aus, die für die kindliche Entwicklung von zentraler Bedeutung ist: das Überqueren der Körpermittellinie (engl. „Crossing Midline“). Dies bezeichnet die Fähigkeit, mit einer Hand oder einem Fuß in den Arbeitsbereich der gegenüberliegenden Körperhälfte zu gelangen.

Diese Überkreuzbewegung ist ein hochkomplexer Vorgang. Sie erfordert eine gute Kommunikation zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte und eine stabile Rumpfmuskulatur, die es dem Oberkörper erlaubt, zu rotieren, während der Unterkörper stabil bleibt. Kinder, die Schwierigkeiten haben, die Mittellinie zu überqueren, wechseln oft die Hand, wenn ein Gegenstand die „unsichtbare“ Linie passiert. Diese Ineffizienz kann sich später auf das Lesen (das Verfolgen einer Zeile von links nach rechts) und das Schreiben auswirken. Das großflächige Wischen einer Tafel ist hier ein perfektes, spielerisches Training.

Ein Kind wischt mit beiden Armen in einer diagonalen Bewegung über eine große Tafel, was die Rotation des Rumpfes und das Überqueren der Körpermittellinie zeigt.

Wenn Ihr Kind mit dem rechten Arm die linke obere Ecke der Tafel wischt, muss es seinen Rumpf drehen und die Bauch- und Rückenmuskeln aktivieren, um das Gleichgewicht zu halten. Diese Rotation und Stabilisierung kräftigt die gesamte Rumpfmuskulatur, die wiederum die Basis für eine aufrechte und stabile Sitzhaltung am Schreibtisch bildet. Ein schwacher Rumpf führt oft dazu, dass Kinder auf dem Stuhl „zusammenfallen“, den Kopf mit der Hand abstützen und so eine verkrampfte Schreibhaltung einnehmen. Fordern Sie Ihr Kind also ruhig dazu auf, die Tafel mit großen, schwungvollen Bewegungen zu säubern – es ist kein lästiges Aufräumen, sondern ein wichtiger Teil des Trainings.

Tafellack auf dem Kleiderschrank: Wie machen Sie alte Möbel zum Kreativ-Objekt?

Sie müssen keine teure, freistehende Tafel kaufen, um die Vorteile des senkrechten Malens zu nutzen. Eine der kreativsten und platzsparendsten Lösungen ist die Verwendung von Tafellack, um bereits vorhandene Möbel in interaktive Flächen zu verwandeln. Eine alte Kleiderschranktür, die Seite eines Regals oder sogar eine ungenutzte Tür im Kinderzimmer können zu einer riesigen Leinwand werden. Dies spart nicht nur Geld und Platz, sondern integriert die Kreativfläche auf natürliche Weise in den Lebensraum des Kindes und lädt ständig zum Malen und Kritzeln ein.

Die Umwandlung eines alten Möbelstücks ist ein einfaches DIY-Projekt, das Sie sogar gemeinsam mit Ihrem Kind durchführen können. Wichtig ist eine sorgfältige Vorbereitung der Oberfläche, damit der Lack gut haftet und eine glatte, langlebige Schreibfläche entsteht. Besonders bei Möbeln, die oft berührt werden, ist es ratsam, auf eine robuste Grundierung und zwei Schichten Lack zu setzen. Mit der folgenden Anleitung wird aus einem ausgedienten Schrank ein neues Lieblingsstück im Kinderzimmer.

  1. Oberfläche vorbereiten: Reinigen Sie die Fläche gründlich und entfetten Sie sie mit Spiritus, damit keine Rückstände die Haftung beeinträchtigen.
  2. Leicht anschleifen: Rauen Sie die Oberfläche mit feinem 240er Schleifpapier leicht an. Das schafft eine bessere Verbindung für die Grundierung.
  3. Grundierung auftragen: Tragen Sie eine passende Grundierung auf (speziell für Holz oder Spanplatten), um ein Durchscheinen des Untergrunds zu verhindern.
  4. Erste Lackschicht: Rollen Sie die erste Schicht Tafellack mit einer Schaumstoffrolle gleichmäßig und dünn auf.
  5. Zweite Lackschicht: Nach etwa 4 Stunden Trockenzeit tragen Sie die zweite Schicht im Kreuzgang (erst senkrecht, dann waagerecht) auf, um eine perfekt deckende Fläche zu erhalten.
  6. Aushärten lassen: Lassen Sie den Lack mindestens 24 Stunden, besser 48 Stunden, vollständig durchtrocknen, bevor er beansprucht wird.
  7. Tafel „einweihen“: Reiben Sie die gesamte Fläche einmal komplett mit der Längsseite einer Kreide ein und wischen Sie sie wieder ab. Dies verhindert, dass die ersten Schriftzüge als „Geisterbilder“ zurückbleiben.
  8. Kanten sichern: Bei stark beanspruchten Kanten, z. B. an einer Tür, kann ein transparenter Kantenschutz aus dem Baumarkt die Ränder vor Abrieb schützen.

So wird Upcycling zu einem pädagogisch wertvollen Projekt. Ein Möbelstück erhält nicht nur eine neue Funktion, sondern wird zu einem zentralen Ort für Kreativität, Kommunikation und motorisches Lernen.

Warum verbessert Klettern an der Sprossenwand die schulischen Leistungen (Überkreuzbewegungen)?

Das Prinzip der Förderung durch vertikale Bewegung beschränkt sich nicht nur auf das Malen. Eine weitere klassische Einrichtung in Kindergärten und Turnhallen, die Sprossenwand, arbeitet nach einem sehr ähnlichen biomechanischen Prinzip und hat direkte Auswirkungen auf die schulischen Fähigkeiten. Wenn ein Kind eine Sprossenwand erklimmt, führt es ebenfalls kontinuierlich Überkreuzbewegungen aus: Die rechte Hand greift nach oben, während das linke Bein sich auf eine höhere Sprosse schiebt und umgekehrt. Was für das Klettern gilt, hat seine direkte Entsprechung beim Malen an der Tafel.

Beide Aktivitäten – Klettern und senkrechtes Malen – zwingen den Körper zur Koordination von linker und rechter Seite und zur Aktivierung der Rumpfmuskulatur. Das Klettern stärkt den Schultergürtel und die Griffkraft, was für das Halten eines Stiftes über einen längeren Zeitraum essenziell ist. Gleichzeitig erfordert es motorische Planung („Wo setze ich den nächsten Fuß hin?“) und räumliches Vorstellungsvermögen. Diese Fähigkeiten sind direkte Vorläufer für das Zurechtfinden auf einem Blatt Papier, das Einhalten von Linien und die korrekte Anordnung von Buchstaben und Zahlen.

Die Kombination aus Klettern und senkrechtem Malen ist daher ein wahres Power-Duo für die grafomotorische Entwicklung. Während das Klettern die grobe Kraft, Koordination und Planung schult, übersetzt das Malen an der Tafel diese grobmotorischen Fähigkeiten in feinere, gezieltere Bewegungen. Ein Kind, das gelernt hat, seinen Körper an einer Sprossenwand zu kontrollieren und zu stabilisieren, wird es leichter haben, eine ruhige Hand und eine aufrechte Haltung am Schreibtisch zu bewahren. Die Verbindung ist also nicht zufällig, sondern tief in der neuromotorischen Entwicklung verankert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von der Schulter zum Stift: Senkrechtes Malen trainiert gezielt die groben Bewegungen aus der Schulter und dem Ellenbogen, was die Voraussetzung für eine lockere Steuerung des Handgelenks beim Schreiben ist.
  • Wischen ist Training: Das großflächige Säubern der Tafel ist eine der besten Übungen zum Überqueren der Körpermittellinie und stärkt die Rumpfmuskulatur, die für eine stabile Sitzhaltung unerlässlich ist.
  • Die Höhe entscheidet: Wichtiger als das Material ist die ergonomisch korrekte Höhe der Tafel (Mittelpunkt zwischen Schulter- und Ellenbogenhöhe), um die Bewegung aus den großen Gelenken zu provozieren.

Wie wird die Magnetwand zur vertikalen Baustelle für Kugelbahnen?

Eine senkrechte Fläche muss nicht nur zum Malen da sein. Wenn Sie eine magnetische Tafel oder eine mit Magnetfarbe gestrichene Wand haben, eröffnen sich völlig neue Dimensionen des spielerischen Lernens. Eine der faszinierendsten Anwendungen ist die Verwandlung der Wand in eine vertikale Baustelle für Kugelbahnen. Dies fördert nicht nur die bereits genannten motorischen Fähigkeiten, sondern spricht zusätzlich die kognitiven Kompetenzen wie Planung, Problemlösung und das Verständnis für physikalische Gesetze (Schwerkraft, Geschwindigkeit) an.

Das Kind muss die einzelnen Elemente der Kugelbahn so an der Wand anordnen, dass die Kugel von oben nach unten rollt, ohne stecken zu bleiben oder herauszufallen. Es experimentiert mit verschiedenen Neigungen, Kurven und Abständen. Dieser Prozess des Ausprobierens, Scheiterns und Neuanordnens ist ein intensives Training für das logische Denken und die Frustrationstoleranz. Gleichzeitig werden durch das Anbringen und Verschieben der magnetischen Teile die Hand-Auge-Koordination und die Feinmotorik der Finger geschult. Mit einfachen Materialien aus dem Haushalt können Sie eine solche Kugelbahn selbst gestalten.

  1. Materialbeschaffung: Sammeln Sie Papprollen (von Küchen- oder Toilettenpapier), flexible Rohrisolierungen aus dem Baumarkt und starke Neodym-Magnete. Achtung: Diese kleinen Magnete müssen wegen Verschluckungsgefahr absolut außer Reichweite von Kleinkindern aufbewahrt werden!
  2. Röhren vorbereiten: Halbieren Sie die Papprollen und Rohrisolierungen der Länge nach, sodass offene Rinnen entstehen. Schneiden Sie diese in verschiedene Längen (10 bis 30 cm).
  3. Magnete befestigen: Kleben Sie die Magnete mit Heißkleber an die Enden und bei längeren Stücken auch in die Mitte der Rinnen.
  4. Auffangbehälter bauen: Versehen Sie kleine Joghurtbecher oder abgeschnittene Plastikflaschen ebenfalls mit Magneten, um als Auffangbehälter für die Kugeln zu dienen.
  5. Startrampe positionieren: Befestigen Sie das erste Element als Startrampe weit oben an der Tafel.
  6. Experimentieren und Bauen: Lassen Sie Ihr Kind nun die verschiedenen Teile so anordnen, dass eine funktionierende Bahn entsteht. Fördern Sie das Experimentieren mit steilen und flachen Abschnitten.
  7. Kontext schaffen: Malen Sie mit Kreide eine Landschaft, eine Baustelle oder eine Fantasiewelt um die Kugelbahn herum, um das Spiel in eine Geschichte einzubetten.

Diese Aktivität verbindet auf einzigartige Weise kreatives Gestalten mit ingenieurtechnischem Denken und macht die senkrechte Fläche zu einem interaktiven Labor im Kinderzimmer.

Wie organisieren Sie den Schulalltag und Termine mit einer zentralen Magnetwand?

Über das Spiel und die motorische Förderung hinaus kann eine große, zentral platzierte (Magnet-)Tafel zu einem unschätzbar wertvollen Werkzeug für die Familienorganisation und die Entwicklung von Selbstständigkeit beim Kind werden. Indem die Tafel als visueller Kalender oder Aufgabenplaner genutzt wird, hilft sie dem Kind, Strukturen und Abläufe im Alltag zu verstehen und sich aktiv daran zu beteiligen. Für Vorschul- und Grundschul-kinder, deren Zeitgefühl noch nicht vollständig ausgeprägt ist, macht ein solcher Plan den Tag greifbar und vorhersehbar. Dies reduziert Unsicherheiten und fördert das Verantwortungsbewusstsein.

Nutzen Sie die Fläche, um den Wochenablauf mit einfachen Piktogrammen darzustellen: ein Turnbeutel-Symbol am Dienstag, ein Musiknoten-Symbol am Donnerstag, ein Oma-und-Opa-Symbol am Wochenende. Ihr Kind kann morgens selbstständig prüfen, was ansteht, und den Haken für „Zähne putzen“ oder „Zimmer aufräumen“ selbst setzen. Dieses aktive Abhaken gibt ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Erfolg. Die Tafel wird so vom reinen Kreativort zu einer Kommunikationszentrale für die ganze Familie. Termine, Einkaufslisten oder kleine Nachrichten können für alle sichtbar notiert werden.

Dieser organisatorische Aspekt unterstützt die Entwicklung exekutiver Funktionen – also jener geistigen Fähigkeiten, die uns helfen, zu planen, zu organisieren und Aufgaben zu erledigen. Ein Kind, das lernt, seinen Tag mithilfe eines visuellen Plans zu strukturieren, trainiert genau diese Kompetenzen, die in der Schule für das eigenständige Arbeiten und Lernen entscheidend sind. Die senkrechte Fläche wird somit zu einem ganzheitlichen Entwicklungswerkzeug, das motorische, kognitive und organisatorische Fähigkeiten miteinander verbindet und das Kind auf vielfältige Weise auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet.

Beginnen Sie noch heute damit, eine senkrechte Kreativfläche als festen Bestandteil in den Alltag Ihres Kindes zu integrieren. Es ist eine der besten und einfachsten Investitionen in seine zukünftige Lern- und Schreibfähigkeit, die weit über das reine Malen hinausgeht.

Häufig gestellte Fragen zum Malen an der Tafel

Ab welchem Alter können Kinder Piktogramm-Pläne verstehen?

Bereits ab 2-3 Jahren können Kinder einfache Bildersymbole verstehen und zuordnen. Mit 4 Jahren nutzen sie Piktogramme oft schon selbstständig zur Orientierung im Tagesablauf und können einfache Zusammenhänge erkennen.

Welche Magnete sind für Kinderhände geeignet?

Für Kinderhände sind große Magnete mit einem Durchmesser von mindestens 3 cm ideal. Achten Sie auf abgerundete Kanten und bunte Kunststoffkappen, die das Greifen erleichtern. Starke Neodym-Magnete sollten wegen der Verschluckungsgefahr nur in fest verschlossenen Halterungen verwendet werden, die von Kindern nicht geöffnet werden können.

Wie oft sollte der Familienplan aktualisiert werden?

Ein Wochenplan sollte idealerweise am Sonntag gemeinsam besprochen und gestaltet werden. Tägliche Aufgaben oder der Ablauf des Tages können jeden Morgen kurz durchgegangen werden. Kinder ab etwa 5 Jahren können ermutigt werden, eigene Termine (wie Geburtstage von Freunden) mit Hilfe oder sogar selbstständig einzutragen.

Geschrieben von Hanna Köhler, Staatlich anerkannte Kinderphysiotherapeutin mit Fokus auf Ergonomie und Haltungsprophylaxe im Wachstumsalter. Expertin für rückenfreundliche Lernumgebungen und dynamisches Sitzen.