
Entgegen der landläufigen Meinung garantiert die Kennzeichnung „speichelecht“ nicht die vollständige Sicherheit für Ihr Kind, wenn es am Gitterbett nagt.
- Die Norm DIN 53160 („speichelecht“) prüft lediglich, ob sich Farbe sichtbar ablöst – eine Frage der Ästhetik, nicht der Toxikologie.
- Die entscheidende Sicherheitsnorm EN 71-3 simuliert hingegen das Verschlucken von Lackteilen und misst, ob dabei unsichtbare, giftige Schwermetalle in den Körper übergehen („Migration“).
Empfehlung: Bestehen Sie beim Kauf von Kindermöbeln immer auf einem expliziten Nachweis der Konformität mit der Norm EN 71-3. Nur sie schützt vor der unsichtbaren Gefahr der chemischen Vergiftung.
Jede Mutter und jeder Vater kennt diesen Moment: Das zahnende Baby entdeckt die Gitterstäbe seines Bettchens als perfekten Beißring. Ein leises, nagendes Geräusch erfüllt den Raum und sofort schießt die Frage durch den Kopf: Ist das sicher? Was passiert, wenn mein Kind Lack oder Holzpartikel aufnimmt? Instinktiv suchen viele Eltern nach Möbeln, die als „speichelecht“ oder „für Kinder geeignet“ deklariert sind, oft im Glauben, damit die höchstmögliche Sicherheitsstufe gewählt zu haben. Man vertraut auf Siegel und Normen, ohne deren genaue Bedeutung zu hinterfragen.
Doch was, wenn dieser gut gemeinte Reflex auf eine falsche Fährte führt? Was, wenn die gängigste Kennzeichnung – die Speichelechtheit nach DIN 53160 – nur die halbe Wahrheit erzählt und die eigentliche, unsichtbare Gefahr unberücksichtigt lässt? Die wahre Sicherheit verbirgt sich nicht hinter der Frage, ob die Farbe hält, sondern was sich aus ihr löst, wenn sie mit Speichel und Magensäure in Kontakt kommt. Hier kommt die oft als „Schnullerketten-Norm“ bekannte EN 71-3 ins Spiel, ein weitaus strengerer Standard, der ursprünglich für Spielzeug entwickelt wurde, aber für die Sicherheit von Kindermöbeln von entscheidender Bedeutung ist.
Dieser Leitfaden deckt auf, warum Sie als Eltern den entscheidenden Unterschied zwischen oberflächlicher Farbfestigkeit und der geprüften, toxikologischen Sicherheit kennen müssen. Wir werden die Mythen um „Bio-Möbel“ entlarven, erklären, wie Labore das Nagen Ihres Kindes simulieren, und Ihnen konkrete Werkzeuge an die Hand geben, um nicht nur das Gitterbett, sondern das gesamte Kinderzimmer zu einem wirklich sicheren Ort zu machen. Denn wahre Sicherheit beginnt mit dem richtigen Wissen.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, haben wir die wichtigsten Aspekte der Kindermöbel-Sicherheit in diesem Artikel detailliert aufgeschlüsselt. Der folgende Überblick führt Sie durch die entscheidenden Normen, Materialunterschiede und praktischen Sicherheitsprüfungen.
Inhaltsverzeichnis: Die wahre Sicherheit von Kindermöbeln entschlüsselt
- Warum regelt diese Norm Grenzwerte für Arsen, Blei und Quecksilber in Möbeloberflächen?
- Was ist der Unterschied zwischen DIN 53160 (Speichelechtheit) und EN 71-3 (Migration)?
- Erfüllen geölte Bio-Möbel die Norm automatisch oder gibt es auch dort Risiken?
- Wie simulieren Labore das „Abkauen“ von Lack durch Magensäure?
- Warum sollten Sie auch bei Malutensilien am Schreibtisch auf diese Norm achten?
- Der Spalt-Fehler: Welche Matratzengröße verhindert das Einklemmen kleiner Füße?
- Geölt, gewachst oder lackiert: Welche Oberflächenbehandlung ist speichelecht nach DIN 53160?
- Wie finden Sie eine Wickelkommode, die Rückenschmerzen und Stürze effektiv verhindert?
Warum regelt diese Norm Grenzwerte für Arsen, Blei und Quecksilber in Möbeloberflächen?
Die Norm EN 71-3 existiert nicht grundlos. Sie ist eine direkte Reaktion auf die wissenschaftliche Erkenntnis, dass bestimmte chemische Elemente, selbst in geringsten Mengen, für den sich entwickelnden Organismus eines Kindes hochgiftig sind. Historisch wurden in Lacken, Farben und Beschichtungen oft Schwermetalle wie Blei zur Verbesserung der Deckkraft, Cadmium für leuchtende Farben oder Arsen als Konservierungsmittel verwendet. Wenn ein Kind an einer solchen Oberfläche nagt oder leckt, können diese Stoffe in den Körper gelangen und schwere, irreversible Schäden verursachen, insbesondere am Nervensystem.
Das Hauptziel der Norm ist daher, die sogenannte „Migration“ dieser Elemente zu begrenzen. Migration bedeutet hier den Übergang eines chemischen Stoffes vom Material (dem Lack) in den Körper. Es geht nicht darum, ob das Material diese Stoffe enthält, sondern darum, wie viel davon unter bestimmten Bedingungen – nämlich dem Kontakt mit Magensäure – freigesetzt wird. Die Logik ist klar: Was fest im Lack gebunden bleibt, stellt keine Gefahr dar. Was sich löst, ist potenziell toxisch.
Die Norm ist dabei äußerst spezifisch und umfassend. Laut der aktualisierten DIN EN 71-3:2019 werden die Grenzwerte für die Migration von insgesamt 19 verschiedenen chemischen Elementen geprüft. Dazu gehören neben den bekannten Giften wie Blei, Quecksilber und Arsen auch Aluminium, Chrom, Zinn und andere. Diese strikte Regulierung stellt sicher, dass selbst bei intensivem oralen Kontakt keine gefährliche Dosis an Schadstoffen aufgenommen werden kann. Sie schützt somit vor einer unsichtbaren Gefahr, die weit über das bloße Abblättern von Farbe hinausgeht.
Was ist der Unterschied zwischen DIN 53160 (Speichelechtheit) und EN 71-3 (Migration)?
Für Eltern ist dies der wichtigste Punkt, um falsche Sicherheitsversprechen zu durchschauen. Die Begriffe „speichelecht“ und „konform nach EN 71-3“ werden oft synonym verwendet, beschreiben aber zwei völlig unterschiedliche Testverfahren mit fundamental verschiedenen Schutzzielen. Während die eine Norm primär die Optik schützt, schützt die andere die Gesundheit Ihres Kindes.
Die DIN 53160 prüft die „Beständigkeit gegen Schweiß- und Speichelsimulanz“. Vereinfacht gesagt wird hierbei ein mit künstlichem Speichel getränktes Tuch auf die lackierte Oberfläche gedrückt. Anschließend wird geprüft, ob sich Farbe auf das Tuch übertragen hat. Die Norm gilt als erfüllt, wenn keine sichtbare Verfärbung stattfindet. Sie beantwortet also nur die Frage: Färbt die Oberfläche ab? Sie sagt jedoch absolut nichts darüber aus, ob unsichtbare, aber giftige Stoffe aus dem Lack gelöst werden.
Im krassen Gegensatz dazu steht die EN 71-3. Ihr Fokus liegt auf der „Migration bestimmter Elemente“. Diese Norm simuliert das Worst-Case-Szenario: Ein Kind beißt ein Stück Lack ab und verschluckt es. Im Labor wird dieses Lackstück für mehrere Stunden in eine künstliche Magensäure-Lösung gegeben. Anschließend wird die Flüssigkeit analysiert, um zu messen, wie viele der 19 reglementierten Schwermetalle und anderen Elemente sich aus dem Lack gelöst haben. Die Norm beantwortet also die Frage: Gelangen giftige Stoffe in den Körper, wenn das Material verdaut wird?
Der folgende Vergleich macht den fundamentalen Unterschied deutlich, wie er von Experten auf Portalen wie dem Ratgeber von ÖkoPlus erläutert wird.
| Norm | DIN 53160 | EN 71-3 |
|---|---|---|
| Prüfgegenstand | Speichel- und Schweißechtheit | Migration von Schwermetallen |
| Was wird getestet? | Ob sich Farbe sichtbar ablöst | Ob giftige Stoffe in den Körper übergehen |
| Testverfahren | Oberflächentest mit künstlichem Speichel | Simulation der Magenverdauung |
| Rechtsstatus | Deutsche Norm, oft freiwillig | EU-weit verbindlich für Spielzeug |
| Schutzfunktion | Verhindert Abfärben | Verhindert Vergiftung durch Schwermetalle |
Erfüllen geölte Bio-Möbel die Norm automatisch oder gibt es auch dort Risiken?
Viele Eltern greifen in dem Glauben zu geölten oder gewachsten „Bio-“ oder „Naturholz“-Möbeln, dass diese per se sicherer seien als lackierte Oberflächen. Dies ist ein gefährlicher Trugschluss. Der Begriff „Bio“ ist bei Möbeln nicht geschützt und eine unbehandelte oder natürlich behandelte Oberfläche ist nicht automatisch frei von Risiken oder konform mit der Sicherheitsnorm EN 71-3.
Das erste Risiko liegt in der Behandlung selbst. Naturöle, insbesondere Leinölfirnis, können Trockenstoffe (Sikkative) enthalten, die auf Kobalt-, Mangan- oder Zirkoniumsalzen basieren. Diese Stoffe beschleunigen die Aushärtung des Öls, können aber bei der Migration die Grenzwerte der EN 71-3 überschreiten. Ein Möbelstück kann also mit einem „natürlichen“ Öl behandelt sein und trotzdem toxikologisch bedenklich sein, wenn das verwendete Produkt nicht explizit geprüft wurde.
Ein weiteres, oft übersehenes Risiko sind Allergien. Manche Naturöle basieren auf Nussölen (z.B. Walnussöl). Für ein Baby, dessen Immunsystem noch nicht ausgereift ist und dessen familiäre Allergiegeschichte vielleicht unbekannt ist, kann der ständige orale Kontakt mit solchen Allergenen potenziell eine Sensibilisierung auslösen. Schließlich kann auch das Holz selbst vorbehandelt sein, etwa mit Fungiziden gegen Pilzbefall während Lagerung und Transport, deren Rückstände für ein Kind schädlich sein können. Wie Experten warnen, ist die Trennung der Normen entscheidend. Das CE-Handbuch für Spielzeugsicherheit bringt es auf den Punkt:
Ein Lack kann ’speichelecht‘ nach DIN 53160 sein (die Farbe hält), aber dennoch bei EN 71-3 durchfallen, weil er Blei freisetzt.
– CE-Handbuch für Spielzeugsicherheit
Diese Logik gilt auch für Naturprodukte. Ein Öl kann rein pflanzlich sein, aber dennoch allergene Proteine oder unzulässige Schwermetalle freisetzen. Die Konsequenz für Eltern ist klar: Verlassen Sie sich nicht auf vage Begriffe wie „bio“, „natur“ oder „ökologisch“. Fragen Sie stattdessen gezielt nach dem Prüfzeugnis für die Konformität mit EN 71-3. Nur dieser Nachweis garantiert die toxikologische Unbedenklichkeit der Oberfläche, egal ob lackiert, geölt oder gewachst.
Wie simulieren Labore das „Abkauen“ von Lack durch Magensäure?
Der Testprozess der Norm EN 71-3 ist ein faszinierendes Beispiel für angewandte Wissenschaft, die direkt dem Schutz von Kindern dient. Er ahmt nicht nur das Lecken an einer Oberfläche nach, sondern das aggressivste und realistischste Worst-Case-Szenario: das Abbeißen, Verschlucken und Verdauen eines Materialstücks. Der Prozess lässt sich in drei wesentliche Schritte unterteilen.
Zuerst wird eine Probe des zu testenden Materials entnommen. Bei einem lackierten Gitterbett kann dies ein abgeschabtes Stück des Lacks sein. Diese Probe wird exakt abgewogen, um später die Konzentration der gelösten Stoffe präzise berechnen zu können. Anschließend wird die Probe in eine Lösung gegeben, die in ihrer Zusammensetzung der menschlichen Magensäure nachempfunden ist – eine 0,07-molare Salzsäurelösung mit einem pH-Wert von etwa 1,2. Dies simuliert den ersten Kontakt des verschluckten Partikels mit dem sauren Milieu des Magens.
Dieser „künstliche Magen“ wird dann für eine Stunde bei 37 °C (Körpertemperatur) in einem Schüttelwasserbad bewegt. Dies simuliert die Peristaltik, also die Muskelbewegungen des Magens, die den Inhalt durchmischen. Nach dieser ersten Phase wird der pH-Wert der Lösung auf etwa 7 angehoben und eine weitere Stunde geschüttelt, um den Übergang in den Dünndarm zu simulieren. Nach insgesamt zwei Stunden wird die Lösung gefiltert, um feste Partikel zu entfernen. Die verbleibende Flüssigkeit enthält nun alle chemischen Elemente, die sich aus dem Lackstück gelöst haben – die „migrierten“ Stoffe.

Im letzten Schritt wird diese Flüssigkeit mit hochpräzisen Analysegeräten, meist einem Massenspektrometer, untersucht. Dieses Gerät kann die Konzentration der 19 reglementierten Elemente bis in den Bereich von Mikrogramm pro Kilogramm messen. Die gemessenen Werte werden dann mit den strengen Grenzwerten der Norm verglichen. Nur wenn alle 19 Werte unterhalb der erlaubten Limite liegen, gilt der Lack oder das Material als sicher und konform mit EN 71-3. In Deutschland führen anerkannte Institute wie der TÜV Rheinland, die DEKRA und das Fresenius-Institut solche Prüfungen regelmäßig durch und stellen entsprechende Zertifikate aus.
Warum sollten Sie auch bei Malutensilien am Schreibtisch auf diese Norm achten?
Die Fixierung auf das Gitterbett ist verständlich, doch die unsichtbare Gefahr der chemischen Migration ist nicht auf ein einziges Möbelstück beschränkt. Kinder erkunden ihre gesamte Umgebung mit dem Mund. Ein Buntstift, ein Bauklotz, der Rand des Schreibtisches oder sogar ein Türstopper aus Gummi – alles kann zum Ziel oraler Erkundung werden. Hier zeigt sich ein Phänomen, das Experten als „Transfer-Effekt“ bezeichnen: Schadstoffe können von einem Gegenstand auf die Hände und von dort auf andere Oberflächen oder direkt in den Mund gelangen.
Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Kind malt mit einem nicht zertifizierten Buntstift, dessen Lack Schwermetalle enthält. Farbpigmente und Lackpartikel haften an den Fingern. Kurz darauf steckt das Kind die Finger in den Mund oder fasst an die Gitterstäbe seines Bettes und leckt daran. Plötzlich befindet sich der Schadstoff vom Stift auf dem Bett und gelangt von dort in den Körper. Die Sicherheitskette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, den Sicherheitsgedanken der EN 71-3 auf das gesamte Kinderzimmer auszuweiten. Achten Sie bei allen Gegenständen, die in Reichweite Ihres Kindes sind, auf entsprechende Zertifizierungen:
- Buntstifte und Fingermalfarben: Müssen neben EN 71-3 auch spezielle Normen wie EN 71-7 erfüllen.
- Knete und Modelliermasse: Auch hier ist die EN 71-3 relevant, da kleine Teile verschluckt werden können. Siegel von Öko-Test oder Stiftung Warentest bieten zusätzliche Orientierung.
- Holzspielzeug: Bauklötze, Puzzle und Nachziehtiere sind klassische Kandidaten für orale Erkundungen. Die EN 71-3 Konformität ist hier ein absolutes Muss.
- Möbelknöpfe und Kleinteile: Bunte Griffe an Schubladen oder kleine Dekoelemente werden oft intensiv berührt und abgeleckt.
Der folgende Erfahrungsbericht unterstreicht die Wichtigkeit dieses ganzheitlichen Ansatzes:
Ein Elternbericht zeigt: ‚Unser Kind malte mit einem nicht-zertifizierten Stift, nahm die Finger in den Mund und leckte danach am Gitterbett. So können Schadstoffe von einem Gegenstand zum anderen übertragen werden. Seitdem achten wir bei allen Gegenständen im Kinderzimmer auf die EN 71-Zertifizierung.‘
– Elternbericht via CE-Handbuch
Der Spalt-Fehler: Welche Matratzengröße verhindert das Einklemmen kleiner Füße?
Neben den chemischen Gefahren durch Lacke und Farben lauert im Gitterbett auch eine mechanische Gefahr, die oft unterschätzt wird: der Spalt zwischen Matratze und Bettrahmen. Ist dieser Spalt zu groß, können Babys oder Kleinkinder mit ihren Füßen oder Händen hineinrutschen, sich einklemmen und im schlimmsten Fall verletzen. Die europäische Sicherheitsnorm für Kinderbetten, die EN 716, regelt daher auch die Innenmaße von Betten sehr präzise.
In Deutschland und weiten Teilen Europas haben sich zwei Standardgrößen etabliert, die diese Norm erfüllen. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestätigt, entsprechen Kinderbetten der Norm, wenn sie Innenmaße von 60×120 cm oder 70×140 cm aufweisen. Kaufen Sie ein Bett und eine Matratze in diesen Standardgrößen, ist die Passgenauigkeit in der Regel gewährleistet. Das Problem entsteht oft bei Sonderanfertigungen, importierten Betten mit abweichenden Maßen oder bei der Verwendung alter Matratzen in neuen Betten.
Um die Sicherheit schnell und einfach zu überprüfen, gibt es eine sehr praktische und von Sicherheitsexperten empfohlene Faustregel. Die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V. rät zur sogenannten „Zwei-Finger-Regel“:
Passen mehr als zwei Finger eines Erwachsenen (ca. 3 cm) zwischen Matratze und Bettrahmen, ist die Lücke zu groß und stellt eine Einklemmgefahr dar.
– Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Mehr Sicherheit für Kinder e.V.

Führen Sie diesen Test an allen vier Seiten der Matratze durch. Wenn der Spalt an einer Stelle zu groß ist, ist die Matratze ungeeignet und muss ausgetauscht werden. Achten Sie auch darauf, dass die Matratze fest und nicht zu weich ist, um das Risiko des Erstickens zu minimieren, falls das Baby sich auf den Bauch dreht. Eine sichere Schlafumgebung berücksichtigt also sowohl die chemische Unbedenklichkeit der Oberflächen als auch die mechanische Passgenauigkeit aller Komponenten.
Geölt, gewachst oder lackiert: Welche Oberflächenbehandlung ist speichelecht nach DIN 53160?
Die Frage nach der besten Oberflächenbehandlung für Kindermöbel ist komplex. Jede Methode hat ihre Vor- und Nachteile in Bezug auf Sicherheit, Pflegeaufwand und Langlebigkeit. Wichtig ist jedoch zu verstehen, dass potenziell jede dieser Behandlungen sicher sein kann, vorausgesetzt, die verwendeten Produkte sind explizit nach EN 71-3 zertifiziert. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:
| Oberfläche | Sicherheit (EN 71-3) | Pflegeaufwand | Langlebigkeit | Preis |
|---|---|---|---|---|
| Geölt (Naturöl) | Gut (bei zertifizierten Ölen) | Hoch (regelmäßig nachölen) | Mittel | €€ |
| Gewachst | Sehr gut | Mittel | Gut | €€€ |
| Lackiert (wasserbasiert) | Sehr gut (bei Zertifizierung) | Niedrig | Sehr gut | €€€€ |
| Unbehandelt | Neutral (Holzart beachten) | Sehr hoch (sehr schmutzanfällig) | Niedrig | € |
Lackierte Oberflächen auf Wasserbasis sind entgegen vieler Vorurteile oft die sicherste und praktischste Wahl, wenn sie EN 71-3 zertifiziert sind. Sie sind robust, leicht zu reinigen und versiegeln die Oberfläche komplett, sodass keine Holzsplitter entstehen können. Geölte und gewachste Oberflächen betonen die natürliche Haptik des Holzes, erfordern aber mehr Pflege und müssen regelmäßig nachbehandelt werden. Hier ist es entscheidend, dass die verwendeten Öle und Wachse geprüft sind. Unbehandeltes Holz ist zwar frei von Zusätzen, aber sehr anfällig für Schmutz und Feuchtigkeit und kann splittern.
Wenn Sie ein gebrauchtes Möbelstück renovieren oder ein unbehandeltes selbst behandeln möchten, ist äußerste Sorgfalt geboten. Halten Sie sich an einen strikten Prozess, um ein sicheres Ergebnis zu gewährleisten.
Ihr Plan zur sicheren Renovierung von Kindermöbeln
- Vollständiges Abschleifen: Entfernen Sie den alten Lack komplett, um Altlasten zu beseitigen. Tragen Sie dabei unbedingt eine Staubmaske (FFP2).
- Gründliche Reinigung: Säubern Sie das Holz nach dem Schleifen von Staub und lassen Sie es vollständig trocknen.
- Zertifizierte Produkte wählen: Kaufen Sie ausschließlich Grundierungen und Lacke oder Öle, die explizit die Konformität mit EN 71-3 auf der Verpackung ausweisen. Marken wie Auro oder Livos sind in deutschen Baumärkten oft verfügbar.
- Dünne Schichten auftragen: Tragen Sie lieber zwei dünne Schichten auf als eine dicke. Dies sorgt für eine gleichmäßigere und robustere Oberfläche.
- Ausreichend trocknen lassen: Geben Sie dem Möbelstück mindestens 48-72 Stunden Zeit zum vollständigen Durchtrocknen und Auslüften, bevor es ins Kinderzimmer kommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Norm EN 71-3 („Migration von Elementen“) ist der entscheidende Sicherheitsstandard, nicht die oberflächliche DIN 53160 („speichelecht“).
- Der Labortest nach EN 71-3 simuliert das Verschlucken und Verdauen von Material, um die Freisetzung von 19 giftigen Stoffen zu messen.
- Sicherheit ist ein ganzheitliches Konzept: Achten Sie neben der chemischen Unbedenklichkeit (EN 71-3) auch auf mechanische Sicherheit wie korrekte Matratzenspalten (EN 716).
Wie finden Sie eine Wickelkommode, die Rückenschmerzen und Stürze effektiv verhindert?
Die Sicherheitsprinzipien, die für das Gitterbett gelten, lassen sich auch auf andere zentrale Möbelstücke im Kinderzimmer übertragen – insbesondere auf die Wickelkommode. Hier geht es um eine Kombination aus ergonomischer Sicherheit für die Eltern und physischer Sicherheit für das Kind. Ein durchdachtes Design verhindert Rückenschmerzen bei den Eltern und, noch wichtiger, gefährliche Stürze des Babys.
Die ergonomische Sicherheit beginnt bei der richtigen Höhe. Eine zu niedrige Wickelfläche zwingt Eltern in eine gebückte Haltung, was bei mehrmaligem Wickeln pro Tag schnell zu chronischen Rückenschmerzen führt. Der Deutsche Hebammenverband empfiehlt für durchschnittlich große Eltern eine Wickelhöhe zwischen 85 und 92 cm. Einige Modelle sind höhenverstellbar, was ideal für Eltern mit großem Größenunterschied ist.
Die physische Sicherheit des Kindes hat zwei Hauptaspekte: Schutz vor dem Herunterfallen und Schutz vor dem Umkippen der Kommode. Die Wickelauflage muss an drei Seiten über eine mindestens 20 cm hohe Schutzumrandung verfügen. Die wichtigste Regel lautet jedoch: Lassen Sie niemals eine Hand vom Kind, nicht einmal für eine Sekunde. Alle notwendigen Utensilien – Windeln, Feuchttücher, Cremes – müssen immer in direkter Reichweite sein.
Die Standsicherheit der Kommode selbst ist ein weiterer kritischer Punkt. Besonders wenn Schubladen ausgezogen werden, verlagert sich der Schwerpunkt und die Kippgefahr steigt. Achten Sie hier auf das GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“). Möbel mit diesem Siegel wurden strengen Tests auf Stand- und Kippsicherheit unterzogen. Unabhängig davon sollte jede Kommode oder jedes höhere Regal im Kinderzimmer gemäß der mitgelieferten Anleitung fest an der Wand verankert werden. Dies ist die effektivste Maßnahme, um schwere Unfälle durch umstürzende Möbel zu verhindern.
Ihre neu gewonnene Expertise in Sachen Sicherheitsnormen ist das stärkste Werkzeug, das Sie als Eltern haben. Anstatt sich auf vage Werbeversprechen zu verlassen, sind Sie nun in der Lage, gezielte und fundierte Fragen zu stellen. Fordern Sie beim nächsten Möbelkauf aktiv den Nachweis der EN 71-3 und überprüfen Sie mechanische Sicherheitsaspekte wie Spaltmaße und Kippsicherungen. So verwandeln Sie das Kinderzimmer von einem potenziell riskanten Ort in eine wirklich sichere und geborgene Umgebung für Ihr Kind.